Auch in der Zahnmedizin ist vieles im Fluss, der Erkenntnisgewinn schreitet voran – und konsequenterweise ist das Hygieneprotokoll von vor zwanzig Jahren nicht ganz das gleiche wie die aktuellen Empfehlungen von Zahnärzten, die mit der Entwicklung Schritt halten. Ihre Putzgewohnheiten sind die Grundlage für die bleibende Gesundheit von Zähnen und Zahnfleisch. Sind Sie noch auf dem neuesten Stand? Finden Sie es heraus!

Wie oft putzen?

Es ist noch gar nicht so lange her, da wurde empfohlen, mindestens dreimal täglich die Zähne zu putzen. Wer das längere Zeit zu gründlich beherzigt, hat zwar saubere Zähne, unter Umständen aber auch erodierten Zahnschmelz. Zahnärzte sehen heute viele Patienten, die sich ihren Schmelz buchstäblich weggeputzt haben. Natürlich bleibt regelmäßiges Zähneputzen nach wie vor das Nonplusultra der Mundhygiene.

Nur muss hier das Kariesrisiko gegen das Risiko der Schmelzerosion abgewogen werden. Beide können individuell durchaus unterschiedlich sein, von der Veranlagung ebenso abhängen wie von den persönlichen Ernährungsgewohnheiten. Über den Daumen gepeilt ist zweimal täglich ein guter, konservativer Richtwert.

Gerade bei geringem Kariesrisiko kann auch einmal täglich gründlich Putzen völlig ausreichend sein. Eine auf Sie zugeschnittene Empfehlung kann Ihnen nur der Zahnarzt geben, der Sie regelmäßig sieht. Fragen Sie uns bei Ihrem nächsten Besuch!

Wann putzen?

Sofort nach dem Essen? Nicht unbedingt. Soo schnell sind die Kariesbakterien auch wieder nicht am Werk. Heute wird empfohlen, zumindest nach dem Verzehr saurer Speisen und Getränke (das schließt Obst und Salat ebenso ein wie süße Softdrinks mit Zitronensäure oder saure Gummiwürmer) mindestens eine halbe Stunde mit dem Putzen zu warten. Der Grund: Ist das Mundmilieu sauer, lösen sich Mineralien aus dem Zahnschmelz. Wer jetzt putzt, riskiert, die Strukturen wegzurubbeln, an denen sich die Schmelzmineralien wieder anlagern können. Besser ist es, ein bisschen zu warten und dem Speichel Gelegenheit zu geben, den Mund-pH wieder zu neutralisieren und den Schmelz zu remineralisieren. Wer unbedingt gleich etwas für seine Zähne tun möchte, kann eine fluoridhaltige Mundspülung oder Zahnpflegekaugummi nutzen.

Mit welcher Zahnbürste?

Bitte entscheiden Sie sich im Interesse von Zahnschmelz und Zahnfleisch für eine mittelharte Bürste! Patienten mit Parodontitis sollten weiche Zahnbürsten benutzen, um ihr Zahnfleisch zu schonen. Um allerdings mit einer weichen Bürste effektiv Plaque zu entfernen, müssen Sie entsprechend länger putzen.

 

 

Zahnärzte empfehlen grundsätzlich Kurzkopfzahnbürsten. Ein langer Bürstenkopf versagt leicht beim Erreichen der hintersten Backenzähne oder der inneren Zahnhälse der Schneidezähne.

Darüber hinaus haben Zahnbürsten heute diverse “Hightech”-Features … abgeknickter Stiel, gefederter Bürstenkopf, Borstenkombinationen unterschiedlicher Länge und Feinheit, schräge Zwischenborsten, Zungenreiniger auf der Rückseite des Bürstenkopfes. Gegen diese Eigenschaften ist nicht das Geringste einzuwenden – sie haben aber im Vergleich mit dem Beitrag von Putztechnik und -länge relativ wenig Einfluss auf den Putzerfolg.

Grundsätzlich sind auch die einfachsten Zahnbürsten völlig ausreichend, Hauptsache, sie haben Kunststoffborsten, die an den Spitzen abgerundet und poliert sind, um Verletzungen am Zahnfleisch zu verhindern.

Das ist, soviel wir wissen, auch bei den günstigsten in Oesterreichs Drogerien regulär verkauften Zahnbürsten der Fall. Elektrische Zahnbürsten sind insofern wirklich vorteilhaft, als dass hier Druck und Technik von vornherein stimmen.

Prinzipiell können Sie aber in jeder Hinsicht Vergleichbares erreichen, wenn sie selbst Hand anlegen. Die Datenlage zum Thema ist unentschieden: Es gibt eine Reihe kleiner Studien, die der elektrischen Zahnbürste eine gewisse Überlegenheit bescheinigen. Aber auch etliche, die keine Unterschiede im Putzergebnis finden.

Wichtig ist die gründliche Reinigung und luftige Aufbewahrung der Zahnbürste nach dem Putzen. Lassen Sie sie mit dem Kopf nach oben im Becher stehend oder mit den Borsten nach unten auf dem Becherrand liegend trocknen: So verringern Sie das Risiko, dass sich Bakterien auf den Borsten vermehren. Speziell mikrofeine altersbedingte Risse im Borstenmaterial bieten Keimen sicheren Unterschlupf. Daher empfehlen wir auch den regelmäßigen Wechsel der Zahnbürste. Spätestens nach zwei Monaten hat sie ausgedient. Weitergehende Sorgen um die Keimbelastung der Zahnbürste sind angesichts der Bakterienvielfalt in der Mundhöhle relativ übertrieben. Für Parodontitis-Patienten kann allerdings auch die tägliche Desinfektion der Zahnbürste einen kleinen Beitrag zur Verbesserung der Mundgesundheit leisten. Die Aufbewahrung der Bürste in Chlorhexidinlösung oder die Sterilisierung mit UV-Licht (ein geeignetes Gerät ist Bestandteil mancher elektrischer Zahnbürsten) sind erwiesenermaßen in diesem Sinne effizient.

 

Mit welcher Zahncreme?

Zahnärzte empfehlen grundsätzlich fluoridhaltige Zahnpasta, da Fluorid den Zahnschmelz vor dem Angriff von Säuren schützt – egal, ob diese Säuren aus Lebensmitteln und Getränken stammen oder von im Plaque lebenden Bakterien produziert werden.

Ein paar Worte zur Abrasivität (Schmirgelwirkung) einer Zahncreme. Um die mechanische Reinigung der Zähne durch die Zahnbürste wirkungsvoll zu unterstützen, enthalten Zahncremes einerseits oberflächenaktive, schäumende Substanzen, die Nahrungsreste und Bakterien binden und fortspülen können. Und andererseits mineralische Kristalle oder andere mikroskopisch kleine sogenannte Putzkörper, die beim Putzen Plaque von den Zähnen schmirgeln. Je mehr und gröbere solcher Putzkörper in einer Zahncreme sind, desto intensiver reinigt sie, kann sogar Flecken und Vefärbungen entfernen, wie sie bei Rauchern, Kaffee- und Teetrinkern auftreten. Besonders abrasive Zahncremes werden daher meist mit den Zusätzen “white” oder “whitening” beworben. Bei solchen Zahncremes besteht allerdings die Gefahr, beim Putzen etwas vom Schmelz “mitzunehmen”. Unter ungünstigen Umständen (etwa in Kombination mit zu hohem Putzdruck oder saurem Mundmilieu) kann eine abrasive Zahncreme zur Ausdünnung (Erosion) der Schmelzschicht beitragen. Besonders kritisch sind abrasive Zahncremes für freiliegendes Dentin bei bereits vorhandenen Schmelzschäden und für freiliegenden Wurzelzement an in Folge von Parodontitis exponierten Zahnhälsen. Diese Materialien sind nämlich bedeutend weicher als der Zahnschmelz.

Die Abrasivität einer Zahncreme wird durch den sogenannten RDA-Wert angegeben. Nur wenige Hersteller geben leider diesen Wert auf der Verpackung an. Eine Internetsuche (oder ein Anruf beim Kundentelefon) schaffen aber meist Klarheit. Für die tägliche Nutzung ohne Einschränkungen geeignete Zahncremes haben RDA-Werte zwischen 50 und 75. Zahnpasten mit RDA-Werten über 100 sind stark abrasiv. Bei Schmelzschäden oder freiliegenden Zahnhälsen sollten solche Zahncremes nicht verwendet werden. Bei gesundem Schmelz spricht nichts gegen eine Anwendung einmal pro Woche.

Die richtige Putztechnik

Diesen Rat haben viele verinnerlicht: Immer von Rot nach Weiß putzen. Die sogenannte Stillmann- Technik wird vor allem Patienten mit Zahnfleischrückgang empfohlen. Sie ist eine gute Massage für das Zahnfleisch und reinigt die Zahnhälse gründlich. Aber sie hat eine Schwachstelle. Mit der Rot- Weiß-Methode bleiben dünne Plaqueränder an den Überäengen zwischen Zahnfleisch und Zahn relativ unbehelligt. Und genau dort sollten gerade auch Parodontitispatienten extragründlich reinigen, um Zahnfleischentzündungen vorzubeugen.

Am Zahnfleischübergang ist die sogenannte Bass-Technik besonders effektiv: Sie setzen die Zahnbürste so an, dass jeweils etwa die Hälfte der Borsten auf Zahn und Zahnfleisch ruhen. Halten sie die Bürste schräg zum Zahnfleisch. Nun reinigen Sie unter leichtem Druck Zahn für Zahn einzeln durch sanfte Rüttelbewegungen, bei denen Sie die Zahnbürste nur ganz wenig hin- und herbewegen. Durch solche Rüttelbewegungen können dann auch die Kauflächen effizient geputzt werden.

Wer sich die Rotationstechnik angewöhnt hat, kann sie beibehalten: Das kreisende Putzen ist eine effektive Methode, Plaque am gesamten Zahnhals und zwischen den Zähnen zu entfernen. Aber auch wenn sie immer als einfach beschrieben wird: Nicht jeder kommt mit der rotierenden Putzbewegung zurecht. Wenn Sie dazugehören und stattdessen die verbreitete “Schrubb-Technik” anwenden, sollten Sie sie in Richtung Bass-Technik modifizieren: Rütteln statt Schrubben. Wichtig beim Putzen ist das systematische Vorgehen. Am besten, Sie gehen zunächst nacheinander Zahn für Zahn die hinteren Zahnhälse beider Kiefer durch. Beim Putzen der Hinterflächen von Schneide- und Eckzähnen den Zahnbürstenkopf senkrecht halten – so können Sie der Rundung des Kiefers besser folgen! Weiter gehts mit den vorderen Zahnhälsen. Zum Schluss, wenn die Konzentration schon etwas nachlässt, kommen die Kauflächen dran. Hier ist es nämlich nicht tragisch, wenn Sie einfach nur hin- und herbürsten.

Das allerwichtigste aus heutiger Sicht ist der richtige Putzdruck. Die meisten putzbedingten Schäden an Zahnschmelz und Zahnfleisch entstehen durch zu kräftiges Bürsten, denn die “Viel hilft viel”-Überzeugung ist gerade bei der Bürstkraft verbreitet. Von der Empfehlung, sich zurückzunehmen und weniger stark aufzudrücken, profitiert daher fast jede(r).

Wie lange putzen?

Kurz gesagt: Nicht kürzer als zwei Minuten.

Interdentalräume nicht vergessen!

Wer richtig putzt, reinigt Kauflächen, Vorder- und Hinterflächen der Zaehne effizient. Aber auch die modernste Zahnbürste und die ausgefeilteste Putztechnik erreichen nicht die gesamten Seitenflächen der Zähne. Hier kommen Sie nur mit Zahnseide oder Interdentalbürstchen hin. Seide und Bürstchen gibt es in verschiedenen Dicken und Größen für unterschiedlich dimensionierte Zahnzwischenräume. Ihr Zahnarzt oder Ihre Zahnhygienikerin werden Ihnen das richtige “Werkzeug” empfehlen. Interdentalbürstchen oder spezielle, einfädelbare Zahnseide (Superfloss) benötigen Sie auch für die Reinigung unter Brücken und unter den Drahtbögen festsitzender Zahnspangen.

Patienten mit hohem Kariesrisiko, aktiver Karies, Zahnfleischentzündungen oder Parodontitis empfehlen wir besonders, täglich einmal auch die Zahnzwischenräume gründlich zu reinigen.

Die Empfehlung dehnen wir natürlich gern auch auf alle anderen Patienten aus (sofern Sie es nicht ohnehin schon tun und sich unter anderem deshalb bester Gesundheit von Zähnen und Zahnfleisch erfreuen). Aber wir wissen: Der innere Schweinehund kann manchmal stark sein. Und deshalb sagen wir Ihnen: Einmal die Woche ist auf jeden Fall besser als gar nicht – und kann bei gesunden Mundverhältnissen tatsächlich völlig ausreichend sein.

Sind Mundspüllösungen sinnvoll?

Mundspülungen sind kein Ersatz für sorgfältiges Putzen. Und dem Ergebnis einer gründlichen Putzaktion haben sie nicht viel hinzuzufügen. Ursächlich können sie auch nichts gegen Mundgeruch ausrichten. Mundspüllösungen sind weiterhin durch ihren meist sauren pH-Wert kein ganz idealer Mundhygiene-Abschluss (obwohl immer noch besser, als die Mundhygiene mit der sauren Spülung zu starten…).

Besser wäre eine basische Spülung (wer danach sucht, wird in der Apotheke und im Netz fündig, manche machen sich solche Spülungen auch selbst). Fluoridhaltige Mundspülungen sind insofern sinnvoll, als dass sie den Zahnschmelz ähnlich wie fluoridhaltige Zahncreme vor dem Angriff von Säuren schützen können.

 

Wer nach dem Verzehr sauerer Speisen gleich etwas gegen Karies tun möchte, wer nach einer Zahnextraktion, nach einer Implantateingliederung oder Parodontitisbehandlung gerade nicht putzen kann, der darf zur fluoridhaltigen Mundspülung greifen. Die entfernt zwar den Plaque nicht, lockert ihn aber nachweislich etwas auf, da Fluorid den Stoffwechsel der Kariesbakterien hemmt.

Auch alte und behinderte Menschen, bei denen das selbstständige Putzen nicht so gut klappt, sollten fluoridhaltige Spülungen für die ergänzende Mundpflege nutzen. Medizinische Mundwässer (und auch manche normalen Mundspüllösungen) enthalten das Desinfektionsmittel Chlorhexidin. Vom zahnärztlichen Standpunkt aus sollten solche Mittel nicht langfristig angewendet werden. Einen Platz haben sie bei der Unterstützung einer Parodontitisbehandlung sowie nach Operationen in der Mundhöhle zur Verringerung der Infektionsgefahr.

Angesichts der durchaus erwünschten Bakterienvielfalt in der Mundhöhle ist die tägliche routinemäßige Desinfektion dagegen kontraproduktiv. Der bakterienfreie Mund ist eine Illusion! P.S.: Aufgelöste fluoridhaltige Zahnpasta wirkt übrigens genauso gut wie eine Mundspülung.

Was bringen Zahnpflegekaugummis?

Bereits normale Kaugummis haben einen gewissen mechanischen Reinigungseffekt (sinnvollerweise sollten sie keinen Zucker enthalten). Das Kauen regt außerdem die Speichelproduktion an, und das fördert gerade nach sauren Mahlzeiten sowohl die Wiederherstellung eines normalen pH-Werts im Mund als auch die Remineralisierung des Zahnschmelzes. Spezielle Zahnpflegekaugummis bringen dann einen zusätzlichen Nutzen, wenn Sie den Zuckeraustauschstoff Xylit (auch als Xylitol bekannt) enthalten. Xylit lässt nachgewiesenermaßen Kariesbakterien absterben, hemmt die Plaquebildung und verringert bei regelmäßiger Anwendung das Kariesrisiko erheblich.

Zuckerfreie oder Zahnpflege-Kaugummis sind damit tatsächlich eine recht gute ergänzende Zahnpflege – aber selbstverständlich kein Ersatz für gründliches Zähneputzen!

Fluoridierung zu Hause?

Die wöchentliche Fluoridierung mit einem fluoridhaltigen Gel (Elmex Gelee), das auf die Zähne aufgetragen wird und kurz einwirkt, bewerten wir als eine sehr sinnvolle kariesvorbeugende Maßnahme. Die schmelzhärtende Wirkung von Fluorid beruht auf der Umwandlung von säuerelöslichem Hydroxylapatit in unlösliches Fluorapatit.

Aber auch Fluorid, das nicht sofort in den Schmelz eingebaut wird, schützt die Zähne. Es lagert sich als Calciumfluorid-Schicht an den Zahnoberflächen an, schützt den Schmelz vor Demineralisierung und hemmt die Neubildung von Plaque durch seine Wirkung auf den Stoffwechsel der Kariesbakterien.

Einmal wöchentlich Spa-Behandlung für Ihre Zähne

Unsere Empfehlung: Führen Sie einmal wöchentlich am Abend eine besonders gründliche Mundhygiene durch. Wenn Ihr Zahnschmelz gesund ist, können Sie bei dieser Gelegenheit auch eine abrasive (Whitening-)Zahncreme nutzen.

  • Verwenden Sie Zahnseide, Superfloss und/oder Interdentalbürstchen vor dem Putzen.
  • Putzen Sie doppelt so lange wie gewöhnlich.
  • Arbeiten Sie konzentriert Zahn für Zahn ab und kombinieren Sie dabei die Rot-Weiß-Methode mit der Rütteltechnik.
  • Achten Sie darauf, nicht zu stark aufzudrücken!
  • Schließen Sie das Ganze mit einer Fluoridierung ab.