Zunächst: Was genau ist eine Wurzelspitzenresektion?

Die Wurzelspitzenresektion ist eine chirurgische Maßnahme zur Therapie von Entzündungen der Zahnwurzel und des umliegenden Kieferknochens. Dabei wird die Zahnwurzel nicht wie üblich von innen durch die Zahnkrone hindurch behandelt, sondern von außen durch den Knochen – also sozusagen von der Rückseite.

Im Interesse der Qualität des Resultats führen wir Wurzelspitzenresektionen bei MeinZahn in genauester Entsprechung mit den Empfehlungen der österreichischen und deutschen kieferchirurgischen Fachgesellschaften durch – und in jedem Fall mit dem Operationsmikroskop. Normalerweise genügt für den Eingriff eine lokale Anästhesie.

Dämmerschlaf beziehungsweise Narkose sind bei besonders aufwändigen Eingriffen und/oder bei ausgeprägten Ängsten eine Option. Die Wurzelspitzenresektion beginnt wie viele andere kieferchirurgische Prozeduren mit der “Mobilisierung” eines Zahnfleischlappens über dem Zahnwurzelbereich. In den nun freiliegenden Kieferknochen wird ein kleines Fenster gefräst, so dass die Zahnwurzel zugänglich wird.

Eventuelle Zysten und das entzündete/infizierte Gewebe rund um die Zahnwurzel werden entfernt, und ein etwa drei Millimeter langes Stückchen der Zahnwurzel amputiert. Die nun im Querschnitt der Zahnwurzel sichtbare Wurzelkanalfüllung wird auf Dichtigkeit geprüft und gegebenenfalls erneuert. Ist alles erledigt, wird der Zahnfleischlappen wieder zurückgeklappt und vernäht. Aus dem Blutpropf, der den entstandenen Hohlraum im Knochenlager verschließt, regeneriert sich der Kieferknochen im Verlauf weniger Wochen.

Was sind die Indikationen für eine Wurzelspitzenresektion? Die Wurzelspitzenresektion zur Behandlung
von Zahnwurzelentzündungen ist heute nur noch in drei relativ seltenen Fällen indiziert:

  • wenn an der Zahnwurzelspitze eine echte Zyste wächst
  • wenn im Wurzelkanal bereits ein Wurzelstift aus Metall steckt, der eine Stiftkrone trägt, so dass eine endodontische Behandlung der Wurzelkanäle nicht möglich ist
  • wenn die Entzündungen an einem Zahn auftreten, dessen Anatomie keine vollständige endodontische Wurzelkanalbehandlung gestattet, weil die Wurzel gekrümmt ist oder die Wurzelkanäle extreme Engstellen aufweisen

 

Kurzer Exkurs: Was ist eine echte Zyste?

Im Röntgenbild bemerkte Aufhellungen rund um die Zahnwurzelspitze weisen auf ein Entzündungsgeschehen im Knochen hin. Wichtig zu wissen: Dabei handelt es sich nur selten tatsächlich um Zysten. Sogenannte radikuläre Zysten können an den Wurzelspitzen von devitalen Zähnen (d.h. wurzelkanalbehandelten Zähnen beziehungsweise Zähnen mit abgestorbenem Zahnnerv) entstehen. Dabei handelt es sich um eine aus der “Hülle” der Zahnwurzel gebildete, komplett abgekapselte Blase im Gewebe, deren Hohlraum mit Gewebeflüssigkeit oder Eiter gefüllt ist.

Viel häufiger treten die etwas kleineren sogenannte Granulome auf, vergleichsweise harmlose Entzündungsreaktionen, die ausheilen, sobald ihre Ursachen (Bakterienbesiedlung des Wurzelkanalsystems) beseitigt sind. Im Gegensatz dazu verschwinden Zysten niemals von allein. Und nicht nur das: Sie können sich immer weiter vergrößern, knochenauflösende Substanzen abscheiden, Zähne verschieben, lockern oder sich entzünden und zu schmerzhaften Abszessen werden.

Um diese unerfreulichen Möglichkeiten auszuschließen, wird bei einem echten Zystenbefund stets für die chirurgische Entfernung, bei größeren Exemplaren für die Eröffnung der Zyste optiert. Die Resektion der Wurzelspitze hat in diesen Fällen den Sinn, eine Regeneration der Zyste aus verbliebenen Resten der Wurzelhülle zu verhindern.

 

Was sind KEINE Indikationen für eine Wurzelspitzenresektion?

Wir können es gar nicht oft genug sagen: Bei Schmerzen und Entzündungen an einem devitalen, bereits wurzelkanalbehandelten Zahn ist eine Wurzelspitzenresektion keineswegs der zwingende nächste Schritt. Diese Symptome sind ein Zeichen dafür, dass sich im Wurzelkanalsystem des Zahns aufgrund undichter Füllungen oder unvollständiger Sanierung (wieder) Bakterien angesiedelt haben, die durch die Wurzelspitze in den Kieferknochen eindringen. Eine gründliche Revision der Wurzelkanalbehandlung – also Neueröffnung, Säuberung, Sterilisierung und Wiederverschluss der Wurzelkanäle – ist die entschieden logischere Antwort auf dieses Problem als das “Absägen” der Wurzelspitze.

Gelangen keine Bakterien und Bakteriengifte mehr durch die Wurzelspitze in den Knochen, wird das Immunsystem mit den dort verbliebenen Erregern allein fertig, die Entzündung klingt ab, und gesunder Knochen regeneriert sich. Die Wahrscheinlichkeit, dass das entzündliche Geschehen rund um die Zahnwurzel durch eine Wurzelspitzenresektion endgültig ausheilt, steht mit 50 bis 70 Prozent um einiges schlechter als die entsprechenden Chancen nach einer modernen Wurzelkanalbehandlung (90 bis 95 Prozent). Kein Wunder. Ist das Wurzelkanalsystem nach wie vor bakteriell infiziert, finden die Erreger vielleicht bald wieder einen Weg in den Knochen. Übrigens: Macht ein Zahn mit bereits gekappter Wurzelspitze weiter Probleme, ist natürlich eine Wurzelkanalbehandlung immer noch möglich – und kann letztlich die für den Zahnerhalt entscheidende Maßnahme sein.

Fazit

Wo sie nicht indiziert ist – und das ist die überwiegende Mehrzahl aller Fälle, in denen klassischerweise eine Wurzelspitzenresektion durchgeführt wurde – schadet das Kappen der Wurzelspitze mehr, als es nützt: Die Operation bringt häufig Infektionen und Entzündungen rund um die Zahnwurzel nicht dauerhaft zum Abklingen. Zudem kann die Prozedur das Knochenlager des Zahns schwächen und damit eine in Zukunft möglicherweise anstehende Implantationsbehandlung erschweren. In den seltenen Fällen, in denen die Wurzelspitzenresektion dagegen wirklich indiziert ist (siehe oben), gehört sie unverzichtbar zum Arsenal der Maßnahmen zur Erhaltung eines gefährdeten Zahnes.