Kieferhöhlenentzündung (Sinusitis maxillaris)

Mit Druckgefühl und Schmerzen durch eine Kieferhöhlenentzündung hatte fast jeder schon einmal zu kämpfen. Bei manchen zieht sogar beinahe jeder Schnupfen gleich die Kieferhöhlen in Mitleidenschaft. Die gute Nachricht: Hausmittel reichen oft, um die Entzündung zum Ausheilen zu bringen. Um die zehn Prozent der Bevölkerung leiden allerdings auch an einer chronischen Sinusitis. Die Kieferhöhlen (Sinus maxillaris) sind zwei Hohlräume im Oberkieferknochen rechts und links der Nase und mit bis zu 15 Kubikzentimetern Volumen die größten der Nasennebenhöhlen. Am unteren Rand grenzen sie fast unmittelbar an die Mundhöhle: zwischen Kiefer- und Mundhöhle liegt beiderseits nur eine dünne Knochenlamelle, die die Zahnfächer der Oberkiefer-Backenzähne bildet. Am oberen Rand buchtet sich das Knochendach der Kieferhöhle ein und formt den Augenboden. Wie die anderen Nasennebenhöhlen hat auch jede Kieferhöhle eine Verbindung zur Nasenhöhle, und zwar im oberen Bereich der Nase. Die Kieferhöhlen sind mit Luft gefüllt und ebenso wie die Nase mit einer etwa einen Millimeter dicken besonderen Schleimhaut ausgekleidet. Diese sorgt mit Hilfe schleimbildender Zellen und Zellen mit beweglichen Flimmerhärchen für die aktive Entfernung von Staub und Krankheitserregern.

Die rhinogene Kieferhöhlenentzündung

Rhinogen bedeutet soviel wie: von der Nase her. Über die Verbindung zur Nasenhöhle können Viren, Bakterien, Pilzsporen oder Allergene von der Nase in die Kieferhöhlen gelangen – und tun das auch regelmäßig. Das ist normalerweise kein Problem: Die Schleimhautzellen mit den Flimmerhärchen befördern die im Schleimhautsekret festhängenden Fremdkörper flugs wieder Richtung Nase.

Entstehung

Sind allerdings die Schleimhäute von Nase und Kieferhöhle durch einen Schnupfen oder eine allergische Reaktion so angeschwollen, dass sie den Sekretabfluss aus der Kieferhöhle in die Nase blockieren, sammelt sich Flüssigkeit in dem warmen Hohlraum – ideale Bedingungen für die weitere Vermehrung der Erreger. Jetzt spricht man von einer Kieferhöhlenentzündung, Sinusitis maxillaris oder einfach Sinusitis.

Bei manchen Menschen kommt es aufgrund einer angeborenen Verengung der Öffnung zwischen Kiefer- und Nasenhöhle häufiger zu einem solchen Verschluss. Die akute Sinusitis entsteht oft im Zusammenhang mit einer Erkältung. Persistiert die Entzündung länger als zwei Monate, spricht man von einer chronischen Sinusitis. Als Komplikation der permanenten Entzündung können sich Schleimhautwucherungen, sogenannte Polypen, bilden.

Symptome

Die Symptome einer Kieferhöhlenentzündung sind einseitiges oder beidseitiges Druckgefühl und bohrende oder pulsierende Schmerzen im Kopf oder im Wangenbereich. Besonders kennzeichnend für eine Kieferhöhlenentzündung ist der stechende Schmerz, der bei einem leichten Schlag auf den Hinterkopf in der betroffenen Nasennebenhöhle auftritt. In engem Zusammenhang mit einer Kieferhöhlenentzündung treten häufig eitriges Nasensekret und eine ständig verstopfte Nase auf.

In schweren Fällen ist die Erkrankung von Fieber und einem Gefühl starker Abgeschlagenheit begleitet. Bei der chronischen Sinusitis sind die akuten Symptome oft abgeschwächt: ein dauerhaftes, dumpfes Druckgefühl, anhaltender wässriger Schnupfen, außerdem nicht selten Verlust des Geruchssinns.

Behandlung

Die akute rhinogene Kieferhöhlenentzündung wird mit Maßnahmen zur Verbesserung des Sekretabflusses und zur Eindämmung der Entzündung behandelt. Die Verbesserung des Sekretabflusses wird einerseits durch Verdünnung des Sekrets (viel trinken, Dampfinhalation, Nasenspülungen, Infrarot-Bestrahlung und schleimlösende Medikamente) erreicht, andererseits durch Medikamente, die die Schleimhautschwellung bekämpfen (Nasensprays oder -tropfen – aber Vorsicht: Bei zu langer Anwendung schaden die abschwellenden Wirkstoffe der Schleimhaut!). Kortisolhaltige Präparate lassen die Entzündungssymptome abklingen – das ist insbesondere bei einer durch Allergene verursachten Sinusitis sinnvoll. Da die akute rhinogene Kieferhöhlenentzündung überwiegend durch Viren verursacht wird, sind Antibiotika nicht die Standardbehandlung. Sie kommen nur zum Einsatz, wenn eine bakterielle Beteiligung gesichert ist oder begründet vermutet wird – meist dann, wenn die Symptome länger als zehn Tage andauern. Der konservative Ansatz beim Management einer chronischen Kieferhöhlenentzündung ist die medikamentöse Langzeittherapie mit Antibiotika oder Kortison.

Chirurgische Behandlung

Versagt die konservative Therapie einer chronischen Sinusitis, wird der HNO-Arzt eine operative Behandlung in Erwägung ziehen. Heute wird dabei zunehmend der minimal invasiven Wiederherstellung des Kieferhöhlenabflusse mit dem Endoskop gegenüber den klassischen Operationen der Vorzug gegeben. Dabei werden zwei kleine Schläuche in die Kieferhöhle eingeführt. Der eine enthält einen Lichtleiter und eine Kamera, mit denen die Kieferhöhle ausgeleuchtet und inspiziert werden kann. Durch den anderen Schlauch können Spüllösungen eingeleitet und kleine chirurgische Instrumente eingeführt werden, mit denen Gewebeveränderungen entfernt und der Verbindungskanal zwischen Nase und Kieferhöhle erweitert werden kann.

In hartnäckigen Fällen kommt auch heute noch die Anlage eines permanenten künstlichen Fensters zwischen Nasen- und Kieferhöhle im unteren oder mittleren Nasengang in Frage, die sogenannte Antrostomie. Sie dient der verbesserten Belüftung und Drainage der Kieferhöhle. Eine weitere Möglichkeit ist die Eröffnung der Kieferhöhle durch den Kieferchirurgen von der Mundhöhle her (osteoplastische Kieferhöhlenoperation, Knochendeckelmethode). Dabei wird die Kieferhöhle durch Entnahme eines Knochenstückchens aus der Kieferhöhlenwand freigelegt, mit dem der Zugang unmittelbar nach erfolgter Sanierung der Kieferhoehle wieder verschlossen wird.

Die Knochendeckelmethode bietet den freiesten Zugriff auf die Kieferhöhle, bleibt allerdings Fällen vorbehalten, die nicht durch den endoskopischen Eingriff via Nase behandelt werden können: Zysten, größere Fremdkörper, Tumoren, verlagerte Zähne in den Kieferhöhlen … oder hartnäckige Entzündungen mit schwerer Symptomatik bei Versagen aller anderen Methoden. Alle Kieferhöhlenoperationen werden ambulant durchgeführt. Für endoskopische Eingriffe genügt die Lokalanästhesie. Für die anderen Prozeduren kommt eine Vollnarkose in Frage.

 

Die dentogene Kieferhöhlenentzündung

Dentogen bedeutet: von den Zähnen ausgehend. Dentogene Kieferhöhlenentzündungen werden durch über die Mundhöhle eindringende Keime ausgelöst. Sie sind in der Regel bakteriell. Ihre erfolgreiche Therapie setzt die Behandlung der zugrundeliegenden Zahnproblematik voraus.

 

Entstehung

Nicht nur die offene Verbindung zwischen Kieferhöhle und Nase, sondern auch der dünne Knochenboden der Kieferhöhle ist eine potentielle Eintrittspforte für Erreger. Lang anhaltende Entzündungen im Wurzelbereich von Backenzähnen, Entzündungen rund um Implantate (Periimplantitis) und Zysten im Oberkiefer können den dünnen Kieferknochen auflösen und so Bakterien in die Kieferhöhle freisetzen.

Und auch ein intakter knöcherner Kieferhöhlenboden kann trotz sorgfältigstem Vorgehens im Zuge einer Zahnextraktion, einer Wurzelspitzenresektion oder beim Setzen eines Implantats einmal perforiert werden. Daher müssen Zahnarzt oder Kieferchirurg nach solchen Eingriffen prüfen, ob die Kieferhöhle möglicherweise eröffnet wurde.

Ein zuverlässiger Test dafür ist der Nasenblasversuch: Mit zugehaltener Nase baut der Patient durch kräftiges Ausatmen in die Nase Druck in Nasen- und Kieferhöhle auf, der im Fall einer Perforation des Kieferhöhlenbodens hörbar in die Mundhöhle entweicht. (Unerfreulich, da sind wir ganz bei Ihnen. Aber es muss sein!) Eine eventuell entstandene Verbindung zwischen Mund- und Kieferhoehle wird der Kieferchirurg sofort sorgfältig mit einem Zahnfleischlappen verschließen, um Komplikationen zu verhindern. Keime oder auch Zahntrümmer, die auf diesem Weg in die Kieferhöhle eindringen, führen unfehlbar zu einer Kieferhöhlenentzündung.
In seltenen Fällen können besonders lange Zahnwurzeln der hinteren beiden Backenzähne sogar durch den Knochen in die Kieferhöhle hineinwachsen. Solange die Zähne gesund sind, ist das kein Grund zur Sorge. Bei Entzündungen im Wurzelbereich dieser Zähne können aber Bakterien relativ ungehindert in die Kieferhöhle eindringen und eine Kieferhöhlenentzuendung verursachen. Bei der Extraktion solcher Backenzähne entsteht in jedem Fall eine offene Verbindung zwischen Mund- und Kieferhöhle, die sofort verschlossen werden muss.

Behandlung

Um die dentogene Kieferhöhlenentzündung erfolgreich behandeln zu können, muss zunächst das Entzündungsgeschehen im Bereich von Zähnen und Zahnfleisch gestoppt werden. Entzündete Wurzelspitzen, Periimplantitis, tiefe Zahnfleischtaschen und Zysten im Oberkiefer können für eine dentogene Sinusitis verantwortlich sein. Zahnarzt und Kieferchirurg ergreifen die jeweils geeigneten therapeutischen Maßnahmen. Sofern die nasalen Ausgänge der Kieferhöhle frei sind, stehen danach die Chancen, dass die Kieferhöhlenentzuendung schnell ausheilt, sehr gut.

Eventuell werden zusätzlich Antibiotika verordnet. Auch die osteoplastische Kieferhöhlenoperation (siehe oben) ist Sache des Kieferchirurgen. Sie ist aber keine Routinemaßnahme zur Behandlung dentogener Kieferhoehlenentzündungen, sondern bleibt besonderen Indikationen vorbehalten.